Woche 5

Bibelleseplan

Donnerstag / Dichtung
 
Hiob 9-10
 
9
Gottes Macht
1Da antwortete Ijob und sprach: 2Wahrhaftig weiß ich, dass es so ist: Wie wäre ein Mensch bei Gott im Recht! 3Wenn er mit ihm rechten wollte, nicht auf eins von tausend könnt er ihm Rede stehen. 4Weisen Sinnes und stark an Macht - wer böte ihm Trotz und bliebe heil? 5Er versetzt Berge; sie merken es nicht, dass er in seinem Zorn sie umstürzt. 6Er erschüttert die Erde an ihrem Ort, sodass ihre Säulen erzittern. 7Er spricht zur Sonne, sodass sie nicht strahlt, er versiegelt die Sterne. 8Er spannt allein den Himmel aus und schreitet einher auf den Höhen des Meeres. 9Er schuf das Sternbild des Bären, den Orion, das Siebengestirn, die Kammern des Südens. 10Er schuf so Großes, es ist nicht zu erforschen, Wunderdinge, sie sind nicht zu zählen. 11Zieht er an mir vorüber, ich seh ihn nicht, fährt er daher, ich merk ihn nicht. 12Rafft er hinweg, wer hält ihn zurück? Wer darf zu ihm sagen: Was tust du da? 13Gott hält seinen Zorn nicht zurück, unter ihm mussten selbst Rahabs Helfer sich beugen. 14Wie sollte denn ich ihm entgegnen, wie meine Worte gegen ihn wählen? 15Und wär ich im Recht, ich könnte nichts entgegnen, um Gnade müsste ich bei meinem Richter flehen. 16Wollte ich rufen, würde er mir Antwort geben? Ich glaube nicht, dass er auf meine Stimme hört. 17Er, der im Sturm mich niedertritt, ohne Grund meine Wunden mehrt, 18er lässt mich nicht zu Atem kommen, er sättigt mich mit Bitternis. 19Geht es um Kraft, er ist der Starke, geht es um Recht, wer lädt mich vor? 20Wär ich im Recht, mein eigener Mund spräche mich schuldig, wäre ich gerade, er machte mich krumm. 21Schuldlos bin ich, doch achte ich nicht auf mich, mein Leben werfe ich hin. 22Einerlei; so sag ich es denn: Schuldlos wie schuldig bringt er um. 23Wenn die Geißel plötzlich tötet, spottet er über der Schuldlosen Angst. 24Die Erde ist in Frevlerhand gegeben, das Gesicht ihrer Richter deckt er zu. Ist er es nicht, wer ist es dann? 25Schneller als ein Läufer eilen meine Tage, sie fliehen dahin und schauen kein Glück. 26Sie gleiten vorbei wie Kähne aus Schilf, dem Adler gleich, der auf Beute stößt. 27Sage ich: Ich will meine Klage vergessen, meine Miene ändern und heiter blicken!, 28so graut mir vor all meinen Schmerzen; ich weiß, du sprichst mich nicht frei. 29Ich muss nun einmal schuldig sein, wozu müh ich mich umsonst? 30Wollte ich auch mit Schnee mich waschen, meine Hände mit Lauge reinigen, 31du würdest mich doch in die Grube tauchen, sodass meinen Kleidern vor mir ekelt. 32Denn du bist kein Mensch wie ich, dem ich entgegnen könnte: Lasst uns zusammen zum Gericht gehen! 33Gäbe es doch einen Schiedsmann zwischen uns! Er soll seine Hand auf uns beide legen. 34Er nehme von mir seine Rute, sein Schrecken soll mich weiter nicht ängstigen; 35dann will ich reden, ohne ihn zu fürchten. Doch so ist es nicht um mich bestellt.
10
1Zum Ekel ist mein Leben mir geworden, ich lasse meiner Klage freien Lauf, reden will ich in meiner Seele Bitternis. 2Ich sage zu Gott: Sprich mich nicht schuldig, lass mich wissen, warum du mich befehdest. 3Nützt es dir, dass du Gewalt verübst, dass du das Werk deiner Hände verwirfst, doch über dem Plan der Frevler aufstrahlst? 4Hast du die Augen eines Sterblichen, siehst du, wie Menschen sehen? 5Sind Menschentagen deine Tage gleich und deine Jahre wie des Mannes Tage, 6dass du Schuld an mir suchst, nach meiner Sünde fahndest, 7obwohl du weißt, dass ich nicht schuldig bin und keiner mich deiner Hand entreißt? 8Deine Hände haben mich gebildet, mich gemacht; dann hast du dich umgedreht und mich vernichtet. 9Denk daran, dass du wie Ton mich geschaffen hast. Zum Staub willst du mich zurückkehren lassen. 10Hast du mich nicht ausgegossen wie Milch, wie Käse mich gerinnen lassen? 11Mit Haut und Fleisch hast du mich umkleidet, mit Knochen und Sehnen mich durchflochten. 12Leben und Huld hast du mir verliehen, deine Obhut schützte meinen Geist. 13Doch verbirgst du dies in deinem Herzen; ich weiß, das hattest du im Sinn. 14Sündige ich, wirst du mich bewachen, mich nicht freisprechen von meiner Schuld. 15Wenn ich schuldig werde, dann wehe mir! Bin ich aber im Recht, darf ich das Haupt nicht erheben, bin gesättigt mit Schmach und geplagt mit Kummer. 16Erhebe ich es doch, jagst du mich wie ein Löwe und verhältst dich wieder wunderbar gegen mich. 17Neue Zeugen stellst du gegen mich, häufst deinen Unwillen gegen mich, immer neue Heere führst du gegen mich. 18Warum ließest du mich aus dem Mutterschoß kommen, warum verschied ich nicht, ehe mich ein Auge sah? 19Wie nie gewesen wäre ich dann, vom Mutterleib zum Grab getragen. 20Sind wenig nicht die Tage meines Lebens? Lass ab von mir, damit ich ein wenig heiter blicken kann, 21bevor ich fortgehe ohne Wiederkehr ins Land des Dunkels und des Todesschattens, 22ins Land, so finster wie die Nacht, wo Todesschatten herrscht und keine Ordnung, und wenn es leuchtet, ist es wie tiefe Nacht.