Woche 8

Bibelleseplan

Donnerstag / Dichtung
 
Hiob 15-16
 
15
Die Sündigkeit aller Menschen
1Da antwortete Elifas von Teman und sprach: 2Gibt ein Weiser windige Kunde zur Antwort, füllt er sein Inneres mit Ostwind an, 3um zu rechten mit Gerede, das nichts taugt, mit Worten, in denen kein Nutzen liegt? 4Du brichst sogar die Gottesfurcht, zerstörst das Besinnen vor Gott. 5Denn deine Schuld belehrt deinen Mund, die Sprache der Listigen hast du gewählt. 6Dein eigener Mund verurteilt dich, nicht ich, deine Lippen zeugen gegen dich. 7Bist du als erster Mensch geboren, kamst du zur Welt noch vor den Hügeln? 8Hast du gelauscht im Rate Gottes und die Weisheit an dich gerissen? 9Was weißt du, das wir nicht wissen, verstehst du, was uns nicht bekannt ist? 10Auch unter uns sind Alte, sind Ergraute, die älter sind an Tagen als dein Vater. 11Ist zu gering dir Gottes Tröstung, ein Wort, das sanft mit dir verfährt? 12Wie reißt doch dein Herz dich fort, wie überheben sich deine Augen, 13dass gegen Gott deinen Zorn du wendest und Worte (gegen ihn) aus deinem Mund stößt? 14Was ist der Mensch, dass rein er wäre, der vom Weib Geborene, dass er im Recht sein könnte? 15Sieh doch, selbst seinen Heiligen traut er nicht und der Himmel ist nicht rein vor ihm. 16Geschweige denn ein Unreiner und Verderbter, ein Mensch, der Verkehrtes trinkt wie Wasser. 17Verkünden will ich dir, hör mir zu! Was ich geschaut, will ich erzählen, 18was Weise zu berichten wissen, was ihre Väter ihnen nicht verhehlten. as ihre Väter ihnen nicht verhehlten: Text korr.; H: was sie vor ihren Vätern nicht verhehlten. 19Ihnen allein war das Land gegeben, kein Fremder ging unter ihnen einher. 20Der Frevler bebt in Ängsten all seine Tage, die Zahl der Jahre ist dem Tyrannen verborgen. 21In seinen Ohren hallen Schreckensrufe, mitten im Frieden kommt der Verwüster über ihn. 22Er kann nicht hoffen, dem Dunkel zu entfliehen, aufgespart ist er für das Schwert. 23Er irrt umher nach Brot, wo (er es finde), er weiß, dass ihn ein schwarzer Tag bedroht. 24Not und Drangsal erschrecken ihn, sie packen ihn wie ein kampfbereiter König. 25Denn gegen Gott erhebt er seine Hand, gegen den Allmächtigen erkühnt er sich. 26Halsstarrig rennt er gegen ihn an mit den dicken Buckeln seiner Schilde. 27Mit Fett bedeckt er sein Gesicht, tut Fett um seine Hüfte. 28Er wohnt in zerstörten Städten, in Häusern, darin niemand wohnt, die man zu Trümmerstätten bestimmt. 29Er wird nicht reich; sein Besitz hat nicht Bestand; zur Erde neigt sich seine Ähre nicht. 30Der Finsternis entrinnt er nicht, die Flammenglut dörrt seinen Schößling aus, er schwindet dahin beim Hauch seines Mundes. 31Er baue nicht auf eitlen Trug; denn sein Erwerb wird nur Enttäuschung sein. 32Bevor sein Tag kommt, welkt er hin und sein Palmzweig grünt nicht mehr. 33Er stößt ihn ab wie der Weinstock saure Trauben, wie der Ölbaum wirft er seine Blüten fort. 34Unfruchtbar ist der Ruchlosen Rotte und Feuer verzehrt die Zelte der Bestechung. 35Von Mühsal schwanger, gebären sie nur Unheil; nur Trug ist, was ihr Schoß hervorbringt.
16
Die leidigen Tröster
1Da antwortete Ijob und sprach: 2Ähnliches habe ich schon viel gehört; leidige Tröster seid ihr alle. 3Sind nun zu Ende die windigen Worte, oder was sonst reizt dich zum Widerspruch? 4Auch ich könnte reden wie ihr, wenn ihr an meiner Stelle wäret, schöne Worte über euch machen und meinen Kopf über euch schütteln. 5Ich könnte euch stärken mit meinem Mund, nicht sparen das Beileid meiner Lippen. 6Rede ich, hört doch mein Schmerz nicht auf; schweige ich, so weicht er nicht vor mir. 7Jetzt aber hat er mich erschöpft. Den Kreis der Freunde hast du mir verstört 8und mich gepackt. Mein Verfall erhebt sich und tritt als Zeuge gegen mich auf; er widerspricht mir ins Gesicht. 9Sein Zorn zerreißt, befehdet mich, knirscht gegen mich mit den Zähnen, mein Gegner schärft die Augen gegen mich. 10Sie sperren ihr Maul gegen mich auf, schlagen voll Hohn mich auf die Wangen, scharen sich gegen mich zusammen. 11Gott gibt mich dem Bösen preis, in die Hand der Frevler stößt er mich. 12In Ruhe lebte ich, da hat er mich erschüttert, mich im Nacken gepackt, mich zerschmettert, mich als Zielscheibe für sich aufgestellt. 13Seine Pfeile umschwirren mich, schonungslos durchbohrt er mir die Nieren, schüttet meine Galle zur Erde. 14Bresche über Bresche bricht er mir, stürmt wie ein Krieger gegen mich an. 15Ein Trauergewand hab ich meiner Haut genäht, mein Horn in den Staub gesenkt. 16Mein Gesicht ist vom Weinen rot und Dunkel liegt auf meinen Wimpern. 17Doch kein Unrecht klebt an meinen Händen und mein Gebet ist lauter. 18O Erde, deck mein Blut nicht zu und ohne Ruhstatt sei mein Hilfeschrei! 19Nun aber, seht, im Himmel ist mein Zeuge, mein Bürge in den Höhen. 20Da meine Freunde mich verspotten, tränt zu Gott hin mein Auge. 21Recht schaffe er dem Mann bei Gott und zwischen Mensch und Mensch. 22Denn nur noch wenig Jahre werden kommen, dann muss ich den Pfad beschreiten, auf dem man nicht wiederkehrt.